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dienstags, 22.15 Uhr
Stella (3) lernt Chinesische Schriftzeichen. Quelle: ZDF
Mit drei Jahren versteht die kleine Stella schon vier Sprachen.

Nur das Beste für mein Kind

Einmal Bildung, bitte!

Die Autorin über das Thema Frühförderung

von Caroline Haertel

Alle Eltern, mit denen wir bei der Recherche gesprochen haben, kümmern sich liebevoll um ihre Kinder und machen sich viele Gedanken. Sie wollen in jedem Fall das Beste für ihre Kinder und arbeiten zum Teil hart dafür, zusätzliche Bildung quasi "einkaufen" zu können. Gleichzeitig sind sie der Gefahr ausgesetzt, die Kinder zu überfordern und doch mehr ihre eigenen Wünsche und Ängste durch die Kinder verwirklichen zu wollen.

 
 
 
 

Wie schnell das geht, wissen meine Mit-Autorin Mirjana Momirovic und ich aus eigener Erfahrung. Wir beide haben jeweils zwei Kinder, die auf internationale Schulen gehen. Während der Dreharbeiten haben wir auch das Programm unserer Kinder auf den Prüfstand gestellt. Denn nach den ersten Drehtagen hatten wir bei allen Kindern das Gefühl, sie müssten zuviel Programm absolvieren. Auch wenn es wirklich schöne Angebote sind, die den Kindern Spaß machen: die Kinder können einfach zu wenig frei spielen, herumtollen, abhängen - einfach Kind sein.

Caroline Haertel. Quelle: Haertel
Haertel
Caroline Haertel hat sich selbst kritisch überprüft

Das Programm runterschrauben

Ich habe mir das Programm meiner Kinder angesehen und meinem Sohn angeboten, ihn von seinem nachmittäglichen Schachkurs wieder abzumelden, was er freudestrahlend angenommen hat. Wie bei den Kindern, mit denen wir gedreht haben, war es sein eigener Wunsch gewesen, Schach zu spielen und ich war stolz, als mir gesagt wurde, er habe Talent. Aber schon nach den ersten Malen wurde es ihm nach der Ganztagsschule eigentlich zu viel, nur das er sich nicht so richtig traute, mir das zu sagen.

 

Das tun die Kinder oft nicht, da sie wissen, dass die Eltern Geld für die Kurse zahlen und auch deren Erwartungshaltung spüren. Da muss man sich als Eltern immer wieder neu überprüfen. Sucht man den Kindergarten, die Schule, das Nachmittagsprogramm wirklich nach den Bedürfnissen und Talenten des Kindes aus? Oder denkt man, es sei wichtig für die Entwicklung und Zukunft des Kindes? Man läuft Gefahr, die eigenen Wünsche und Vorstellungen in das Kind hineinzuprojizieren.

 

"Spielerisch" lernen ist kein freies Spiel

Das Angebot an frühkindlicher Förderung ist in den letzten Jahren geradezu explodiert. Alle Anbieter versichern, es würde dort "ganz spielerisch" gelernt. Auch wenn die einzelnen Angebote zum Teil wirklich spielerisch sind, haben sie dennoch nichts mit freiem Spielen zu tun. Sie sind für die kleinen Kinder von drei bis sechs mitunter sehr anstrengend. Auch die Konzepte vieler zweisprachiger Kindergärten verlangen schon von den ganz Kleinen sehr viel Disziplin. Wir hätten uns bei den Dreharbeiten einige Male für die Kinder gewünscht, sie könnten mehr spielen. Alle Kinder im Kindergarten sagten uns auch, sie hätten nicht genug freie Zeit.

Allen fünf Kindern, mit denen wir gedreht haben, merkt man an, dass sie gewohnt sind, gefordert zu werden. Stella, Tim und Jan, Arthur und Phillip haben sich sehr geduldig und mit Freude filmen lassen und ganz toll mitgemacht. Und waren dabei so offen und freundlich, dass das ganze Team sie nach Ende der Dreharbeiten vermisst hat. Alle Kinder zeigen beeindruckende Leistungen. Man sieht auch, dass sie viel Aufmerksamkeit von den Eltern bekommen. Gleichzeitig hatten wir den Eindruck, dass sie zu früh zu viel Programm schon im Kindergartenalter absolvieren müssen. Denn Stella, Tim, Arthur und Phillip sind ja erst drei, fünf und sechs Jahre alt.

 
 
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