Mehrmals am Tag wird irgendwo in Deutschland das Radioprogramm unterbrochen: Ein Falschfahrer ist unterwegs. Die Radiosender sind angehalten, die Meldungen der Polizei schnell über den Sender zu geben, auch wenn sie so nicht überprüft werden können. Denn wenn ein Unfall passiert, dann droht der Frontalaufprall bei sehr hohen Geschwindigkeiten.
Laut ADAC gehen bei der Polizei jährlich 1500 bis 1800 Meldungen über Geisterfahrer ein - meistens von anderen Autofahrern übers Handy. Dabei sind sich Experten einig, dass es sich bei den offiziellen Meldungen nur um die Spitze des Eisberges handelt. Viele Fahrer bemerken ihren Fahrfehler und wenden schnellstmöglich. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch, weil viele Autofahrer nach einem kurzen Blackout ihren Fehler bemerken", bestätigt Verkehrssoziologe Alfred Fuhr vom Automobilklub AvD gegenüber Welt Mobil.

Bei Falschfahrern handelt es sich laut Informationen der Polizei um so genannte "verkehrsschwache Personen". Dazu zählen Personen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, stark ermüdete Fahrer, demente oder verwirrte Personen - etwa durch Alter und psychische Erkrankungen - oder unerfahrene Fahrer, also Fahranfänger oder Personen, die selten ein Auto steuern. Nur selten handele es sich bei Falschfahrern um Menschen mit Selbstmordgedanken oder um Mutproben, so die Polizei.
Wenn dann noch widrige Verkehrsverhältnisse hinzukommen wie schlechte Sicht durch Dunkelheit oder Regen, oder eine unübersichtliche Straßenführung, dann kann es schnell zu Geisterfahrten kommen. Unfälle passieren, wenn ein Verkehrsteilnehmer in die Ausfahrt der Autobahn einbiegt oder riskante Wendemanöver unternimmt. Die schwerwiegendsten Unfälle sind Frontalzusammenstöße bei hohen Geschwindigkeiten.

Oft wird behauptet, dass es sich bei Falschfahrern hauptsächlich um ältere Personen handelt, die im komplexen Straßenverkehr überfordert seien. In Deutschland gibt es dazu keine aktuell gesicherten Zahlen. Die Studie "Falschfahrten auf der Bundesautobahn" stammt aus dem Jahr 1994, durchgeführt von der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast). Aktuellere europäische Untersuchungen zeigen jedoch, dass Geisterfahrer nicht nur unter den älteren Verkehrsteilnehmern zu finden sind.
In einer österreichischen Studie im Zeitraum 1987 bis 2004 untersuchte das Kuratorium für Verkehrssicherheit 213 Geisterfahrerfälle. Es hat sich herausgestellt, dass der "typische" Geisterfahrer in Österreich zu 83 Prozent männlich ist, zu 45 Prozent alkoholisiert und zu 45 Prozent zwischen 21 und 40 Jahren alt ist. Das niederländische Institut "For Road Safety Research" bestätigt, dass Falschfahrer nahezu in allen Alterklassen vertreten sind. In der Untersuchung "Wrong-way driving" führen zwar die über 70-Jährigen mit 32 Prozent in der Statistik, die 25- bis 39-Jährigen folgen jedoch mit 24,3 Prozent.
Wenn man einen Geisterfahrer sieht, sollte man das am besten über eine Notrufsäule melden, da so der Standort optimal bestimmt werden kann. Auch die Autobahnkilometer-Schildchen, die alle 500 Meter rechts am Rand stehen, bieten Orientierung. Die Angabe der Fahrtrichtung ist wichtig. Wenn man im Radio die Meldung über einen Geisterfahrer hört und sich in dem entsprechenden Abschnitt befindet, sollte man langsam fahren, um im Notfall Ausweichmanöver fahren zu können.
Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren, nicht zu überholen, rechts zu fahren, und Abstand zu halten. Sieht man den Geisterfahrer, so soll man die Warnblinkanlage einschalten und außerdem versuchen, ihn mit der Lichthupe auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Wenn möglich, empfiehlt die Polizei, den nächsten Parkplatz anzufahren und dort warten, bis über das Radio Entwarnung gegeben wird.