Die "Lange 37°-Nacht" gibt einen Überblick über die Vielfalt der "37°"-Gesichter und ihrer ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Sie präsentiert sechs besonders eindrucksvolle Beispiele aus 15 Jahren.
0.35 Uhr: Animal Farm Kreuzberg
Exotische Tiere im Dschungel der Großstadt
Film von Sibylle Trost
Erstausstrahlung: 10. Juni 1997
Das Krokodil "Rambo" ist Mittelpunkt einer jungen Familie, die ihr ganzes Leben auf dieses Haustier ausrichtet und damit glücklich ist. Die "37°"-Sendung nimmt den Zuschauer mit in eine fremde Welt, ein unbekanntes Milieu. Er erfährt von Menschen mitten im Berliner Kiez Kreuzberg, die im Wohnzimmer oder auch in der Badewanne Leguane, Pythonschlangen, Skorpione oder sogar ein Chamäleon halten. Ein Trend, der sich bis heute sogar noch verstärkt hat. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die es genießen, sich etwas Exotisches zu leisten und ihrem ansonsten genormten Leben am Arbeitsplatz und in der Großstadt dadurch einen individuellen Touch zu verleihen.
1.05 Uhr: Nur von Luft und Liebe
Der eigenwillige Weg einer jungen Frau
Film von Ute Schneider
Erstausstrahlung: 18. Mai 1999
Scheinbar "Nur von Luft und Liebe" lebt ein junges Mädchen, das sich "Tüt tüt" nennt und das auf alle Annehmlichkeiten unserer westlichen Zivilisation freiwillig verzichtet. Ohne Strom, ohne Geld wohnt die 20-jährige Brigitte in einem alten, verfallenen Bauernhaus, in dem es im Winter bitterkalt wird. Sie will ein Beispiel sein, ein Zeichen setzen in dieser Überflussgesellschaft und zum Nachdenken anregen. Wie ein junger Mensch ganz unbeirrt seinen Weg geht, den weder Eltern noch Freunde verstehen, davon erzählt dieser besondere Film auf eindrucksvolle Weise.
1.35 Uhr 37°: Alisons Baby - Die ersten Jahre
Film von Bente Milton
Erstausstrahlung: 26. Oktober 2004
Ein ganz besonderes Mutterglück zeigte "37°" im Jahr 2001 mit der Sendung "Alisons Baby". Ein Film über eine ungewöhnliche und selbstbewusste junge Frau aus England, die deutlich macht, dass sie es trotz ihrer schweren körperlichen Behinderung schafft, ihr Kind großzuziehen. Ihr Name: Alison Lapper - geboren ohne Arme und Beine. Die Fortsetzung: "Alisons Baby - die ersten Jahre", die 2004 ausgestrahlt wurde, zeigt, was in der Zwischenzeit aus Alison und ihrem Sohn Pary geworden ist.
2.20 Uhr: Wie vom Erdboden verschluckt
Wo ist Jochen V.?
Film von Gregor Bialas
Erstausstrahlung: 20. September 2005
"37°"-Autor Gregor Bialas begab sich 2005 auf die Suche nach einem verschwundenen Familienvater. Jochen V. verabschiedete sich ein halbes Jahr zuvor von seiner Frau, um ein paar Tage auf Dienstreise zu gehen. Doch er kam niemals am angegebenen Ziel an. Ob Jochen V. Opfer eines Verbrechens wurde oder untertauchte, konnte nie geklärt werden. Der Autor nahm unzählige Spuren auf, befragte Polizei und Angehörige - und wollte wissen, wie die Familie mit der Ungewissheit umgeht und diesen nie enden wollenden Schock verkraftet. Der Film war mit rund 3,3 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 15,8 Prozent der erfolgreichste 37°-Film des Jahres 2005.
2.50 Uhr: Zimmer für immer
Dauergäste im Hotel
Film von Walter Krieg
Erstausstrahlung: 29. August 2006
Was sind das für Menschen, die lieber irgendwo in einer Pension, in einem kleinen Hotel wohnen, als allein in einer viel zu stillen Wohnung? Die "Helden" dieses 37°-Films schätzen die Vertrautheit eines Zimmers irgendwo zur Daueruntermiete, den verlässlichen Service und fühlen sich dabei beruhigt und aufgehoben. Gemeinsam mit Autor Walter Krieg betritt der Zuschauer ihr "Zimmer für immer" und erfährt erstaunliche Dinge über ihr Leben und über Schicksalsschläge. Ein Film, der von den Strategien gegen die Einsamkeit erzählt, und davon, wie es sich lebt an einem Ort, der eigentlich auf Durchreise angelegt ist.
3.20 Uhr: Meine Welt hat tausend Rätsel
Leben und Denken hochbegabter Autisten
Film von Chiara Sambucchi
Erstausstrahlung: 24. Juli 2007
Die einen sprechen von Behinderten, die anderen von "Savants", den Wissenden. Asperger-Autismus heißt die genaue Krankheitsbezeichnung. Aber was ist schon krank und was normal? Denn Asperger- Autisten sind oft talentierte Künstler oder geniale Mathematiker und haben eine sogenannte Inselbegabung. Doch trotz ihrer hohen Intelligenz haben sie oft große Schwierigkeiten, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. So auch die 22-jährige Nicole Schuster, die durch ihre Fähigkeit, virtuos mit Sprache umzugehen, in einer ihr fremden Welt zurechtkommt. Oder der 38-jährige Rainer: Er ist trotz Asperger-Autismus berufstätig und arbeitet als Übersetzer. Er kennt den Berliner Stadtplan auswendig und kann die Bedeutung der Straßennamen auf Anhieb herleiten. Ein Kinderspiel für ihn. Doch mit anderen Menschen zu kommunizieren ist für ihn so anstrengend, als müsste er mehrere Sprachen gleichzeitig sprechen.