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23. Februar 2012
 

37 Grad

 
dienstags, 22.15 Uhr
Silke (41) mit Baby. Quelle: ZDF
Silke mit Baby. Bald will sie beruflich wieder durchstarten.

Neustart

Kinderglück statt Wechseljahre

Autorin Iris Pollatschek über ihren persönlichen Bezug

Ich habe zu vielen meiner Filme eine persönliche Beziehung. Das Thema "Späte Eltern" aber ist mir besonders nahe. Ich bin jetzt 46 und wurde selbst erst vor einem Jahr zum dritten Mal Mutter. Da lag die Idee zu diesem Film gewissermaßen im Kinderwagen, den ich schob. Ich habe mich gefragt, wie andere damit umgehen. Mitten im Berufsleben stehen, vielleicht schon eine Familie haben - und dann wird plötzlich alles durcheinandergewirbelt.

 
 
 
 

Es macht einen Unterschied, ob es man mit über 40 das erste Kind Mal schwanger wird oder schon Kinder hat. Wer mit über 40 beschließt, eine Familie zu gründen, macht das nicht, weil es einfach nur so dazugehört. Meistens steht eine große Sehnsucht dahinter.

Iris Pollatschek. Quelle: Pollatschek
Pollatschek
Filmemacherin Iris Pollatschek

Ein Gefühl der Leere

Ein Gefühl, dass einem etwas fehlt; obwohl man das mit 30 nie von sich gedacht hätte. Plötzlich reicht einem das, was man hat, nicht mehr. Es füllt einen nicht aus, trotz aller Termine und Erfolge bleibt ein Gefühl von Leere. Silke, eine der Mütter im Film, bringt das auf den Punkt: "Etwas Wichtiges hat gefehlt." Während meiner Recherchen habe ich einiges erfahren, was mich überrascht hat. Mit über 40 Kinder kriegen ist gefährlich für Mutter und Kind, so hört man ja häufig.

"Aber Ernährung und Lebensweise sind viel wichtiger", erfuhr ich von Professor Frank Louwen, Chef von Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Uniklinik Frankfurt. Sehr beruhigend für mich persönlich, aber auch wenn man sich die Statistik anschaut. Immerhin sind Mütter wie ich längst keine Seltenheit mehr.

 
Professor Frank Louwen über "späte Mütter"

Wenig Aussichten auf Erfolg

Bei meinen Recherchen habe ich auch erfahren, wie viel Mühe, Zeit und Geld die Leute bereit sind zu investieren, wenn sie nicht auf natürlichem Weg schwanger werden können. Hormonbehandlung und Maßnahmen der Reproduktionsmedizin summieren sich schnell auf ein paar Tausend Euro. Und die Krankenkassen zahlen meist höchstens 50 Prozent, bei Frauen über 40 oft auch gar nichts.

 

Mit den Behandlungen ist es nicht getan. Eine Schwangerschaftsgarantie gibt es auch nicht, wenn nachgeholfen wird. Nur bei circa 18 Prozent der künstlichen Schwangerschaften ist die Behandlung erfolgreich und mit der Geburt eines Babys gekrönt. Wer eine späte Familie gründen will, hat da manchmal einen extrem langen Weg vor sich.

 

Das Abenteuer Familie

Aber auch wenn es - wie bei mir - nicht das erste Kind ist, bedeutet spätes Elternglück doch eine große Veränderung. Es muss zwar keine völlig andere Situation gemeistert werden, aber ein neues Familienmitglied will und braucht seinen Platz. Die Geschwister müssen lernen, dass sie nicht mehr ganz im Mittelpunkt stehen können. Eifersucht und Neid können das anstrengende erste Jahr noch etwas anstrengender machen.

Und manches steckt man mit 40 plus auch nicht so gut weg wie mit Mitte 20. Alle, die ich im Rahmen der Recherche traf, haben sich voll auf das Abenteuer Familie eingelassen. Es hat mir großen Spaß gemacht, diese Menschen zu treffen und einen kleinen Einblick in all die vielen unterschiedlichen Leben zu bekommen. Dafür danke ich allen, denen ich mit meinen Fragen auf die Nerven gehen durfte.

 
 
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