Sie kämpfen mit einem Problem, das sie vor anderen sorgsam hinter ihren Türen zu verbergen wissen: Eva, Chris und Georg sind drei von geschätzten zwei Millionen Menschen in Deutschland mit dem Messie-Syndrom. Vom organisierten Chaos bis zur völligen Vermüllung: das Leben von "Messies" sieht sehr unterschiedlich aus. Was sie eint: "Messies" tun sich schwer mit der Organisation ihres Lebens.
Georg ist Versicherungsmakler. Im Umgang mit den Kunden ist er kompetent und souverän. Doch sobald er zu Hause seine Wohnungstür öffnet, empfängt ihn das große Chaos - dabei sehnt er sich nach einer schönen Wohnung.

Georg ist einer von geschätzten zwei Millionen Menschen mit Messie-Syndrom. Er hortet Dinge: Das geht so weit, dass er sich nicht von Werbeeinlagen - die ja wöchentlich neu in die Wohnung flattern, trennen kann: "Als Messie weiß man gar nicht, wie man die ganzen Berge schaffen soll. Und die kommen ja Woche für Woche. Man ist fast schon genötigt, sich zu entscheiden, sie wegzuschmeißen." So geht es Georg mit vielen Gegenständen. Er lebt allein in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung, in der er alleine keine Ordnung schafft.
Georg hofft auf Unterstützung durch eine professionelle Aufräumhilfe. Doch auch das erweist sich als schwierig. Immer wieder verzettelt er sich - lässt seine Hilfe nicht wirklich helfen. Er will nichts wegschmeißen, sondern alles neu sortieren, abheften, ordnen. Bei der Menge an Dingen, die ihn umgibt, scheitert er immer wieder. Nicht, weil er nicht aufräumen will. Sondern, weil er es zu gut machen möchte und an seinem Perfektionismus scheitert. Das Chaos hat ihn fest im Griff, bis ihm eine Freundin hilft - in letzter Minute, denn der Vermieter hat sich angemeldet, um die Wohnung zu inspizieren, nach dem sich Nachbarn beschwert hatten...

Chris war Zwanzig, als sich die Unordnung nach und nach in das Leben der gelernten Heilerziehungspflegerin schlich. Ihr absoluter Horrortermin ist, wenn der Heizungsableser kommt oder Behördengänge anstehen, für die sie Unterlagen finden muss. Heute kämpft Chris nicht mehr gegen das Chaos an. Sie ist überzeugt davon, dass sich ihre Wohnung und ihr Leben erst dann ordnen werden, wenn sich in ihrem Inneren etwas verändert. Dafür muss sie aber bereit sein, mit "ihren Leichen im Keller" in Kontakt zu kommen. Zu vieles aus ihrer Kindheit ist nicht verarbeitet. Chris sucht letztendlich Heilung in der Psychotherapie.
Chris kann nicht unterscheiden, welche Gegenstände wirklich für sie wichtig sind. Deshalb kann sie die Dinge nicht wegwerfen. Hält sie eine Sache beim Aufräumen in der Hand, so bekommt sie plötzlich einen Wert: "Der Gegenstand hat ja eine Geschichte oder eine Bedeutung für mich", erklärt sie: "Dann fühlt sich alles gleich wichtig an. Und das macht es schwer zu sortieren oder Prioritäten zu setzen." So behält sie einfach alles und sammelt auch Dinge ein, die sie auf der Straße findet. Ihr Freund, Detlef, hat resigniert. Er leidet unter der geringen "Aufenthaltsqualität" von Chris' Wohnung. Ihr gemeinsames Leben findet deshalb draußen statt oder in seiner Wohnung.

Eva arbeitete sieben Jahre als Diplom-Bibliothekarin, studierte Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie hat zwei Söhne alleine großgezogen. Heute handelt Eva wie ein Logistikunternehmen, um das Chaos zu Hause im Griff zu behalten. Sie mietet immer weitere Lagerräume an. Seit Jahren hortet sie dort alles, was sie nicht braucht, aber nicht wegwerfen will. Inzwischen gelingt es Eva jedoch hin und wieder, sich von Dingen zu trennen. Dann fotografiert sie die Gegenstände oder filmt sie, und schreibt das ganze in ihr Tagebuch. Ist die "Erinnerung", die sie mit dem Gegenstand verbindet, festgehalten, so schafft sie es, das "Ding" zu entsorgen.

Dass Eva ihr Leben und ihre Wohnung gut im Griff hat, hängt auch damit zusammen, dass sie sich einen lang ersehnten Traum verwirklicht hat. Mit ihrer Chaoshymne: "Wie kann man nur nicht aufräumen können!" tritt Eva als Kabarettistin auf. Sie verarbeitet ihr Messie-Dasein auch in Selbsthilfegruppen und in Büchern. Ihre autobiografischen Geschichten geben auf eine humorvolle Weise den Blick frei auf ihr ganz persönliches Chaos und wie sie ihm begegnet.
Die Protagonisten geben nicht nur Einblick in ihre Wohnungen - sie lassen den Zuschauer auch eindringlich teilnehmen an ihrem Kampf gegen das Chaos, an ihren individuellen Lösungsstrategien, Schwierigkeiten und Bedingtheiten ihres Lebens. Hierbei wird deutlich, dass sich hinter dem äußeren Chaos auch ein inneres verbirgt - eine Erfahrung, die auch Partner und Angehörige von Messies hilflos zurück lässt.
Der Film "Leben im Chaos" nähert sich einem Thema, für das es bis heute kein ausreichendes Wissen, keine eindeutige Einordnung als Krankheit und keinen einheitlichen Therapieansatz gibt. So unterschiedlich die Protagonisten des Filmes auch sind, eines aber ist es, was sie eint - sie alle versuchen ihren individuellen Weg aus dem Chaos zu finden.