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37 Grad  

Schätze aus der Tonne

Von Schrottladys und Mülltauchern

Vieles, was im Müll landet, gehört eigentlich gar nicht in den Eimer: frische Lebensmittel, Pfandflaschen, Schrott und Metalle, die in Zeiten knapper Rohstoffe immer wertvoller werden. In Deutschlands Tonnen liegen viele Schätze - doch sie zu heben ist nicht selbstverständlich. 37 Grad zeigt in diesem Film Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von Weggeworfenem leben. Wie kommt man dazu, "Schrottlady", "Flaschensammler" oder "Mülltaucher" zu werden? Wie reagieren Verwandte und Freunde? Und was kann man von Müllsuchern über das eigene Konsumverhalten lernen? 

Video: Schätze aus der Tonne

37 Grad zeigt in diesem Film Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von Weggeworfenem leben.

(25.09.2012)

Interview mit "Tafel"-Initiatorin Kiethe

Hannelore Kiethe, Initiatorin der Münchner Tafel, erklärt im Interview den Grundgedanken der Tafeln: Verteilen statt vernichten.

(21.08.2012)

Video: Schätze aus dem Müll

Nicht alles, was in der Tonne landet, ist schlecht. In den 43 Millionen Tonnen Haushaltsmüll, die wir im Jahr produzieren, lassen sich richtige Schätze finden. Legal ist das Müll sammeln aber nicht.

(25.09.2012)

Vorschau: Schätze aus der Tonne

37 Grad begleitet Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von dem Leben, was andere wegwerfen.

(21.08.2012)

Sichtweise der Autoren Tine Kugler und Günther Kurth:

Aus den Augen, aus dem Sinn: Abgelaufener Joghurt, ein kaputter Toaster, die Puppe, mit der keiner mehr spielt – was wir tagtäglich wegwerfen, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Pro Jahr sind das allein in Deutschland rund 40 Millionen Tonnen Haushaltsmüll, 30 Millionen Tonnen Schrott und bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel, von denen rund zwei Drittel noch genießbar wären. Die Kehrseite unserer Wegwerfgesellschaft ist eine steigende Zahl von Menschen, für die dieser Abfall Lebensgrundlage ist.

Müllsucher kennt man bislang vor allem aus Entwicklungsländern. Für unseren Film wollten wir Menschen begleiten, die hier in Deutschland mit dem Sammeln weggeworfener Dinge ihre Existenz sichern. Wie kommt man dazu, Schrotthändler zu werden, sein Essen aus der Tonne zu holen oder die Stadt nach Pfandflaschen zu durchkämmen? Wie reagiert das Umfeld, Verwandte und Freunde? Und was können wir über unser eigenes Konsumverhalten lernen?

Protagonisten der Dokumentation:

Pfandflaschen-Sammler Robert

Wenn andere schlafen geht Herr S. auf Flaschentour. / Quelle: ZDF/Günther Kurth

"Es ist zwar nicht ehrenwert, aber normal. Aufheben, was andere wegschmeißen, ist halt nicht so in." Das weiß der 75-jährige Robert, der Rentner und Flaschensammler ist.

"Mülltaucher" Raphael und Nieves

Raphaels Familie lebt aus Überzeugung vom Abfall der Gesellschaft.  / Quelle: ZDF/Günther Kurth

"Wenn ich eines Tages nichts mehr in der Tonne finde, ist das zwar das Ende unserer Lebensweise, aber die Erfüllung unseres Traumes," sagt Raphael, der sich mit seiner Frau Nieves und der kleinen Tochter ausschließlich von weggeworfenen oder aussortierten Lebensmitteln ernährt.

"Schrottladys" Ramona und Suzanne

Ramona und Suzanne verdienen ihr Geld mit Schrott.
Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Günther Kurth 
 / Quelle: ZDF

"Unter einer Tonne wird kein Feierabend gemacht!" Ramona und Suzanne sammeln alles ein, was aus Metall ist: Waschmaschinen, Eisenrohre, Fahrräder, rostige Pfannen.

Rente plus Pfandgeld

Dem ersten Protagonisten sind wir eines Tages zufällig auf der Straße begegnet: Robert, ein sorgfältig gekleideter, drahtiger Mitsiebziger, dessen Fahrrad beladen war mit Pfandflaschen und -dosen. Morgens um neun war er schon fertig mit der ersten Tour, die er bereits im Morgengrauen beginnt, weil da die Konkurrenz noch schläft. Immer mehr Rentner bessern inzwischen ihr knappes Einkommen mit Pfandgeld auf. Vor allem in Großstädten, wo das Leben teuer ist und viele Passanten für acht Cent nicht zum nächsten Automaten laufen. Mit Minirente und Sozialhilfe kommt Robert knapp über die Runden, aber das Flaschensammeln erleichtert ihm manche zusätzliche Ausgabe. Seit zehn Jahren schon sucht er im Müll nach verwertbaren Dingen und hat sich mittlerweile an abschätzige Blicke gewöhnt.

Wir haben uns sehr gefreut, dass Robert uns und die Kamera auf seine Touren mitgenommen hat. Die Dreharbeiten mit ihm waren interessant, unterhaltsam und äußerst lehrreich. Wer eine Weile mit den Augen eines Pfandsammlers unterwegs ist, entdeckt in vormals nutzlosen Müllbergen plötzlich "wertvolle" 25 Cent-Dosen, lernt am Inhalt der Container die Anwohner eines Viertels kennen, erntet mitleidige bis aggressive Sprüche – und bewegt sich stets am Rande der Legalität. Rein rechtlich gesehen begehen Mülltaucher Diebstahl, wenn sie weggeworfene Lebensmittel mitnehmen oder Pfandflaschen aus dem Altglascontainer fischen. Dass Flaschensammler immer wieder verwarnt und mit Anzeigen bedroht werden, hätten wir vor den Dreharbeiten nicht für möglich gehalten. Rechtlich ist es Diebstahl, Müll jeder Art aus Tonnen zu entnehmen und doch ist es schwer zu glauben, dass derjenige, der eine Pfandflasche aus dem Abfall fischt (wo sie nicht hingehört) und dem Recyclingkreislauf zuführt, dafür bestraft werden soll. Robert würde sich wünschen, dass Müllsammler nicht verfolgt, sondern mit ein bisschen mehr Respekt behandelt werden: "Ich stehle es ja nicht, ich nehme nur das, was die Leute weggeschmissen haben."

Zeichen setzen gegen die Verschwendung

Auf der Suche nach jemandem, der freiwillig und nicht aus finanzieller Notwendigkeit Müll verwertet, stießen wir auf eine Familie, die ausschließlich davon lebt, was andere nicht mehr brauchen oder wollen. Die jungen Eltern Raphael und Nieves wünschen sich vor allem, dass Überfluss und Verschwendung irgendwann ein Ende haben. Der Schutz der Ressourcen liegt ihnen am Herzen, denn jedes Produkt, das neu gekauft wird, hat bereits einen intensiven Weg zurückgelegt, von der Rohstoffgewinnung über den Energieaufwand der Produktion über den Transport der Ware bis zum Verkaufsregal. Die beiden gehören zur wachsenden Bewegung der Mülltaucher, "dumpster diver" oder "Freeganer".

"Freeganer" gegen Wegwerfgesellschaft

"Freeganer" setzt sich zusammen aus  „frei“ und Veganer, jemand, der auf Tierprodukte verzichtet. Der Freeganismus-Trend entstand Ende der 90er Jahre in New York im Zuge der Globalisierungskritik. Heute gibt es Freeganer-Gruppen in fast allen westlichen Großstädten. Freeganer essen das, was weggeworfen wurde, um den Überfluss in einer Wegwerfgesellschaft zu boykottieren.

Doch während viele Mülltaucher nur hin und wieder in Supermarktcontainern wühlen, ist das "Recyceln" für Nieves und Raphael zur Lebensaufgabe geworden. Auf einer langen Weltreise, über die  Raphael auf seiner Website erzählt, haben die beiden viel darüber erfahren, wie unser Konsum mit dem Leben in ärmeren Ländern zusammen hängt  – und ihren Alltag radikal umgestellt. Sie ernähren sich nur von weggeworfenen und aussortierten Lebensmitteln, tragen gebrauchte Kleidung und wohnen dort, wo man ihnen leer stehenden Raum zur Verfügung stellt.  Zurzeit sind Nieves, Raphael und die kleine Tochter in einem Friedenszentrum der evangelischen Kirche untergekommen und kümmern sich dafür um Haus und Garten. In der gemeinsamen Zeit mit den dreien konnten wir uns davon überzeugen, dass es ihnen trotz Konsumverzicht an nichts fehlt. Bei Haushaltsgeräten, Büchern und allen weiteren Dingen des täglichen Lebens, die aus Mülltonnen gefischt, geschenkt wurden oder aus Zeiten stammen, als sie noch aktiv konsumierten, fällt die Unterscheidung schwer, was ist neu, was gebraucht. Dieses Kriterium spielt im Grunde keine Rolle mehr.

Verantwortung für die nächste Generation

Was zunächst paradox klingt: Besonders extrem leben die beiden erst seitdem sie Eltern geworden sind – denn gerade weil sie jetzt eine Tochter haben und Verantwortung für die nächste Generation übernehmen, möchten sie ein Zeichen setzen, gegen Verschwendung und gegen die Wegwerfmentalität. Raphael und Nieves verdienen nichts und wollen auch nichts mehr ausgeben. Einzige Ausnahme: Das Kindergeld, das für eine Familienversicherung verwendet wird. Wer so radikal von den Resten der Gesellschaft lebt, polarisiert - besonders natürlich, wenn er es freiwillig tut, aus Überzeugung. Kritiker bezeichnen die beiden deshalb gern als Schmarotzer und unverantwortliche Eltern, andere erkennen an, was die beiden bewegt und zollen ihnen Respekt für so viel Konsequenz, halten sie der Wegwerfgesellschaft doch lediglich den Spiegel vor.

Wir haben bei den Dreharbeiten zwei sehr herzliche, umsichtige und sozial eingestellte Menschen kennen gelernt, die beweisen, dass man durch sein Engagement doch einiges bewegen kann. Die Öffentlichkeit beginnt sich für ihr Leben zu interessieren, Raphael wird in Talkshows und für Vorträge eingeladen – und berät seit neuestem eine Berliner Biomarktkette in Müllfragen. Dort hat er lange Zeit nachts den Abfall aus der Tonne geholt, sich irgendwann mit dem Chef an einen Tisch gesetzt und darf nun legal zwei Mal pro Woche aussortierte Ware abholen und weiterverteilen. Raphael und Nieves sind auf der Suche nach einem Ort, wo sie irgendwann einmal mit Gleichgesinnten als Selbstversorger leben können.

"Schrott stinkt doch nicht!"

Suzanne und Ramona freuen sich über tonnenweise Schrott, denn sie verdienen ihr Geld damit. "Wenn die Menschen weniger wegwerfen würden, wären wir arbeitslos." In ihrer Branche sind die beiden Exotinnen – als Frauen und allein erziehende Mütter. Als Suzanne und Ramona nach der Trennung von ihren Männern allein auf sich gestellt waren, machten sie das Schrott sammeln zum Beruf – anfangs mit einem Kleinwagen und Anhänger, "mitten im Winter, kurz vor Weihnachten, als die Schrottpreise im Keller waren. Doch am Ende konnten wir den Kindern sogar Geschenke kaufen." Mittlerweile haben die zwei Frauen "Opa", einen altersschwachen Pritschenwagen, sind sechs Tage pro Woche quer durch Ostfriesland unterwegs und holen alles ab, was ihnen angeboten wird und aus Metall ist. Ramona und Suzanne müssen viel sammeln, da der Metallpreis täglich schwankt – zwischen 30 und 300 Euro, je nach Jahreszeit und Nachfrage. Die beiden sind an der Küste bekannt wie bunte Hunde, wo sie auftauchen, gibt es stets ein großes Hallo. Mit viel Fleiß, Zuverlässigkeit und Humor haben sich die zwei Frauen einen treuen Kundenstamm erarbeitet. Feste Kunden sind auch die einzige Sicherheit in ihrem Job und wenn der Schrottpreis fällt, müssen sie eben doppelt und dreifach so viel arbeiten.

Die Konkurrenz ist groß

Für Suzanne und Ramona ist wichtig, dass Betriebe und Haushalte ihren Abfall nicht anderen Sammlern mitgeben, denn die Konkurrenz wächst täglich. Schrott sammeln wird immer lukrativer und den Job kann theoretisch jeder machen, der starke Arme und ein passendes Fahrzeug hat. Immer mehr fahrende Sammler sind ohne Gewerbeschein unterwegs und nehmen ungefragt alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist.

Nach Abzug von Steuern und Versicherungen kommen Ramona und Suzanne gerade so über die Runden. Es gäbe sicher bequemere Arten, sein Geld zu verdienen, doch der Schrott lässt die beiden nicht mehr los. Wenn sie die Arbeit irgendwann körperlich nicht mehr machen können, wollen sie selbst einen Schrottplatz betreiben: "die Atmosphäre dort ist einfach toll", und nirgends lernt man so viel über die Menschen: "Am Zustand der Dinge siehst Du die verschiedenen Charaktere." Wer zuviel Geld hat, nicht loslassen kann oder sich leichten Herzens von allem trennt.  Obwohl es Menschen gibt, die ihren Job "assig" finden, gibt es für Ramona und Suzanne keinen Grund, sich dafür zu schämen: "Schrott stinkt doch nicht!"

Kreativerer Umgang mit unseren "Resten"

Drei sehr unterschiedliche Geschichten, Menschen, Motive und Blickwinkel auf unseren Müll. Was neben der Begegnung mit äußerst liebenswerten Menschen bleibt, ist die Erkenntnis: Mit den Resten der Gesellschaft umzugehen ist weder eklig noch unehrenhaft. Wir danken Robert, Nieves, Raphael, Suzanne und Ramona dafür, dass sie uns gezeigt haben, wie wertvoll, lebens- und liebenswert das ist, was wir oft gedankenlos auf den großen Haufen werfen.

Wenn es auch in absehbarer Zeit keine Welt ohne Müll geben wird, sollten wir doch offener und kreativer mit unseren Resten umgehen. Heute schon gibt es viel versprechende Ansätze: Tafeln und food banks, bei denen Lebensmittel verteilt werden, die nicht mehr verkauft werden können. Initiativen, die Pfandsammlern den Alltag erleichtern. Sozialkaufhäuser, Umsonst- und Tauschläden. Wird Müll vielleicht irgendwann zum Allgemeingut? Die Rechtslage ist kompliziert, aber allen Menschen, die vom Abfall leben müssen oder wollen, wäre für die Zukunft zu wünschen, dass sie dafür nicht auch noch bestraft werden.

Beitrag: Mehr als Müll!

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Diskussion im Social Web

Interview mit Soziologen S. J. Moser:

Promotionsprojekt "Rückkehr der Sammler"

Pfandsammler sind mittlerweile aus dem städtischen Leben deutscher Großstädte nicht mehr wegzudenken. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat sich der Soziologe Sebastian J. Moser von der Universität Freiburg mit diesem Phänomen beschäftigt. Hier einige seiner Erkenntnisse:

Gibt es einen speziellen Typus "Flaschensammler"?

Die soziale Zusammensetzung ist sehr heterogen. So kann man unter den Pfandsammlern sowohl Obdachlose sowie Erwerbslose antreffen, jedoch genauso Angestellte, Arbeiter oder Menschen, die eine Rente beziehen, die nicht einmal unbedingt sehr niedrig sein muss. Wollte man von einem "Typus" sprechen - was ich sehr problematisch finde, da man die sehr unterschiedliche Realität des Einzelnen dabei verwischt -  so würde ich von Menschen mit einem ausgeprägten Arbeitsethos sprechen, für die Leistung zählt. Zudem hat sich aus den Analysen ergeben, dass es sich zumeist um sozial vereinsamte Personen handelt, für die das Sammeln eine Möglichkeit des "Unter-Menschen-kommen" bietet, bei der zugleich Leistung eine große Rolle spielt.

Was treibt die Sammler an?

Das Sammeln ermöglicht es den Menschen, die eigene Leistung an einem zu beziffernden Wert ablesen zu können. Ein weiterer Antrieb ist eine gewisse Art von Eingebundenheit, mag diese auch noch so oberflächlich oder prekär sein. Als Sammler hat man seine Routen, die abgelaufen werden. An bestimmten Stellen gehört man quasi zum Stadtbild dazu. Aber ich würde so weit gehen, dass es - nach einer gewissen Zeit - das Sammeln selbst ist, das die Menschen antreibt. Sammeln kann man immer und überall, mag die Ausbeute auch mal niedriger sein, aber man kann nicht losgehen, ohne etwas zu finden.

Wie reagieren Städte auf die zunehmende Anzahl?

In den untersuchten Fällen werden die Falschensammler an vielen Stellen toleriert. Genauso kommt es aber an prestigeträchtigen Tourismusorten vor, dass explizit darauf geachtet wird, Sammeln zu unterbinden. Es gibt Verordnungen, die die Benutzung von Abfallbehältern regeln, die nötigenfalls die gesetzliche Grundlage für eine Kriminalisierung bieten können.

Gelderwerb oder stigmatisierte Tätigkeit?

Das Umfeld von Flaschensammlern reagiert sehr unterschiedlich. Tätigkeiten, die das In-Kontakt-kommen-mit-Müll notwendig machen, haben grundsätzlich ein "Imageproblem", obgleich es sich um gesellschaftlich notwendige und nützliche Arbeiten handelt. Weil das Pfandsammeln noch immer stark mit Armut in Verbindung gebracht wird - was bis zu einem gewissen Grad richtig ist - ist es jedoch weniger eine Arbeit, der Respekt entgegengebracht wird, als vielmehr Mitleid. Die "Flaschengabe" vermittelt ein gutes Gefühl und unterstreicht zugleich, dass derjenige, der Geld haben will, dafür etwas zu leisten hat. Die Sammler würden vermutlich zu einem Großteil diese Einstellung teilen.

Warum haben Sie selbst Flaschen gesammelt?

Für meine Forschung habe ich selbst Flaschen gesammelt. Es war vor allem der Wunsch zu verstehen, was es heißt, öffentlich in einem Abfallbehälter zu greifen, der eigentlich für das Gegenteil bestimmt ist. Das heißt ja auch, öffentlich einer sozialen Regel widersprechen. Ich wollte versuchen zu verstehen, was die Blicke der Anderen bei einem auslösen. Da meine Forschung allerdings selbstfinanziert war, war diese Phase nicht sehr lang.

 

Lesenswertes - von Uschi Hansen

Die Essensvernichter

von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn
Kiepenheuer & Witsch (2011)
Das Begleitbuch zum Kinofilm "Taste the Waste" ist zugleich Teil einer großen Öffentlichkeitskampagne gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Geschätzte 20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich allein in Deutschland im Müll. Gerade Obst und Gemüse schaffen es oft nicht einmal in die Supermärkte. Den Preis dafür zahlen Verbraucher und Umwelt. Warum das alles so ist und wie man sein Konsumentenverhalten ändern müsste, um dem entgegenzuwirken, das erfährt man in diesem Buch.

Für die Tonne

Buchcover: Für die Tonne / Quelle: Artemis

von Tristram Stuart
Artemis & Winkler (2011)

In seinem Buch zeichnet der englische Ökoaktivist Tristram Stuart nach, wie wir unsere Lebensmittel verschwenden. Dabei folgt er der Produktion, von Landwirtschaft, über Industrie hin zum Verbraucher. Er arbeitet die globalen Zusammenhänge heraus. Sein Fazit: Verschwendung ist in jedem Schritt der Kette Programm.

Nur der Idiot wirft's weg!

Buchcover: Nur der Idiot wirft's weg / Quelle: Pilcher Verlag

von Thomas Riederer und Machael Gries (Fotos)
Pichler Verlag (2011)

Das schön bebilderte Kochbuch zeigt, dass man auch aus Resten Leckeres zubereiten kann. Mit Rezepten, die aus der sparsamen Denke der Großmuttern-Generation stammen könnten, kann man dafür sorgen, dass weniger in der Tonne landet. Das Buch zeigt, wie man mit einem kreativen Kochstil dem Magen, der Umwelt und der eigenen Geldbörse Gutes tun kann.

Initiativen aus dem Netz

Die Internetplattform www.pfandgeben.de vermittelt zwischen Pfandflaschenbesitzern und Pfandsammlern. Sammler können Handynummer und Stadtviertel angeben, in dem sie Pfandflaschen einsammeln. So werden Pfandgebende ihre Flaschen los, Pfandnehmenden wird die Suche erleichtert. Erdacht wurde das Projekt im Rahmen des Studiengangs Kommunikationsdesign an der HTW Berlin.

Die Internet-Kampagne www.pfand-gehoert-daneben.de fordert dazu auf, Pfandflaschen nicht in öffentliche Mülleimer zu werfen, sondern daneben zu stellen. So soll Pfandsammlern das Leben erleichtert werden: "Mülleimer nach Pfandflaschen zu durchsuchen, ist nicht nur demütigend, sondern auch gefährlich. Deshalb bitten wir dich um eine kleine Geste der Solidarität."

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